Tandera Puppentheater Ravensbrück

... beim Lesen der Lektüre in die Geschichte eingetaucht... eine Zeitreise in die Vergangenheit.

… beim Lesen der Lektüre in die Geschichte eingetaucht… eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, also am 27.1.2015 wurde in Schneverdingen das Theaterstück “1944-es war einmal ein Drache“ vom Tandera-Puppentheater aufgeführt.

Die Aufführung fand in der Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen statt. Diese Kirche wurde als Expo-Projekt in Holz-Stapelbauweise errichtet. Der Altar dieser Kirche besteht aus tausenden von “Erdbüchern“, in denen Erde aus allen Teilen der Welt gesammelt ist.

Bei der Bezeichnung “Puppentheater“ denkt man an eine Puppentheaterbühne und ein Puppentheaterstück mit einer Theaterhandlung.

Dies ist hier missverständlich.

2 Frauen in einer Töpferwerkstatt werkeln die Weihnachtsbestellungen ab. Dörte entdeckt zufällig das Buch mit der Geschichte, um die es hier geht. Das gelesene bringt sie aus dem Trott-das Thema wird von ihr zum Gesprächsstoff erhoben. Ihr Gegenüber bloggt dies jedoch ab, bis die Schilderungen sie doch erwischen.

Nun drehen die beiden am Zeitrad, schlüpfen in die Rolle von KZ-Insassen.

Sie erzählen jetzt die Geschichte einer Weihnachtsfeier im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Anschaulich werden die Lebensbedingungen im Konzentrationslager fühlbar gemacht. Die etwa 400 Kinder im Lager werden dargestellt durch eine kleine Gruppe von Handpuppen, die in dem als Kulisse dienenden Holzregal auftauchen.

Der Masse von Menschen wird ein Gesicht gegeben durch die Beschreibung einzelner Kinder, ihrer Herkunft, ihren Fantasien, ihren Ängsten und ihrem Leiden.

Die Geschichte im Theaterstück hat ein Happy-End, denn die unter größten Gefahren unter größten Entbehrungen organisierte Weihnachtsfeier im Lager findet statt und gibt den Frauen und den Kindern einen Moment der Hoffnung und des Glückes. Das Stück zeigt nicht das wirkliche Ende der Schicksale, denn nur die Wenigsten überlebten das Lager.

Das Theaterstück zeigte die Opfer – nur in einer Szene kam eine der Aufseherinnen vor. Nur durch das Aufzeigen von Einzelschicksalen wird das Geschehene sichtbar und greifbar.

In ihrer Theaterbroschüre schreiben die Darsteller, dass sie nach dem Theaterstück für Gespräche nicht zur Verfügung stehen, weil die jugendlichen Zuschauer hierfür kein Bedürfnis haben, sondern vielmehr den Austausch untereinander benötigen.

In Schneverdingen fanden jedoch im Anschluss an die Theatervorführung zahlreiche Einzelgespräche mit den Darstellern statt, in welchen sie kleinen Gruppen von Zuschauern erläuterten, wie sie selbst ihre Darstellung empfinden, was sie zu dem Theaterstück bewogen hat und welche Zielsetzung sie damit verfolgen.

Insbesondere die Tatsache, dass im Konzentrationslager Ravensbrück zeitweise ca. 400 Kinder interniert waren, muss jedem deutlich machen, dass das nationalsozialistische System sich eindeutig an völlig unbeteiligten und unschuldigen Personen vergriffen hat, um diese Menschen zu quälen, zu demütigen, zu verängstigten und schließlich zu töten.

Rückschlüsse konnte und kann hieraus dann jeder selbst ziehen; der mahnende Zeigefinger ist hier weder geboten noch notwendig.

Ein Theaterstück, das mit einer sehr einfachen und kurzen Handlung auskommt und dabei doch so viele emotionale Informationen über den Nationalsozialismus liefert und es dem Zuschauer getrost überlassen kann, selbst seine Lehre hieraus zu ziehen, passt zu einer Projektreihe für Jugendliche zum Thema Nationalsozialismus; die Aufführung hat sich gelohnt.

 

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